„Wie es wirklich war, ist schwer auszuhalten“

Landshut-Zeitzeugen berichten im Dornier Museum über ihr Schicksal

Ihr Schicksal bewegt bis heute die Deutschen. Deshalb waren auch – trotz parallel laufendem Fußball-Länderspiel gegen Spanien - über 400 Zuhörer in den Hangar des Dornier Museums gekommen, um fünf Zeitzeugen der Landshut-Entführung im Jahr 1997 im Gespräch mit Joachim Umbach zu hören. Der frühere Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung hat mit diesem Termin eine Gesprächsreihe des Dornier Museums zum Thema Landshut eröffnet. Weitere Veranstaltungen werden in diesem Jahr folgen.

Der Auftakt hatte den Untertitel „Wie es wirklich war.“ Dazu Autor Erich Nyffenegger von der Schwäbischen Zeitung in seinem Artikel über den ersten Landshut-Talk:

Und wie es wirklich war, ist schwer auszuhalten – für die Zeitzeugen und fürs Publikum: Für Jürgen Vietor etwa, der als Co-Pilot bei der Erschießung seines Kapitäns Jürgen Schumann zusehen musste und der selbst zweimal hätte erschossen werden sollen. Für Diana Müll, die mit eindringlicher Schmerzhaftigkeit schildert, wie sie vor einem der Entführer kniend auf ihren Tod wartete. Wie der Mann zu zählen begann und sie bei zehn eigentlich eine tödliche Kugel treffen sollte. Wie die Flugbegleiterin von damals, Gabriele von Lutzau, noch heute nach all der Bewältigungsarbeit wütend von der Bühne ruft, als säßen die Terroristen noch irgendwo im Publikum:„Ich lass mir von solchen Idioten nicht mein Leben diktieren!“

Diese Aussage gilt sicher auch für die beiden weiteren Zeitzeugen Jutta Knauff und Aribert Martin. Die Ex-Geisel Jutta Knauff bestätigt, dass sie die schweren Jahre unmittelbar nach der Entführung gut überstanden habe – auch wenn die Unterstützung durch die Behörden fast völlig ausgeblieben sei. Aribert Martin ist einer der GSG 9-Männer, die damals die Maschine in Mogadischu stürmten. Er gehört wie die Crewmitglieder von Lutzau und Vietor sowie die Passagiere Müll und Knauff zur „Landshut-Familie“, die sich in den letzten Monaten immer wieder in Friedrichshafen getroffen hat. Und das wird auch so bleiben: Spätestens dann, wenn die restaurierte Lufthansa-Maschine der Öffentlichkeit präsentiert wird, wird man sich wiedersehen.

Fotos: Andy Heinrich