Landshut-Ausstellung: Wissenschaftlicher Beirat berufen

Die Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt hat einen siebenköpfigen wissenschaftlichen Beirat berufen, der die Erarbeitung und Umsetzung des Ausstellungkonzepts einschließlich der Remontage und Restaurierung der ehemaligen Lufthansa-Maschine „Landshut“ begleiten wird, die im Dornier Museum in Friedrichshafen gezeigt werden soll.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, die das Projekt maßgeblich unterstützt, begrüßt die Berufung des begleitenden Gremiums: „Mit diesem renommiert besetzten Beirat ist nun der Weg für ein wissenschaftlich fundiertes Ausstellungskonzept zur Präsentation der „Landshut“ geebnet. Als authentisches Zeugnis der Geschichte erinnert uns die „Landshut“ eindringlich an die Unmenschlichkeit des RAF-Terrorismus, der die Bundesrepublik wiederholt vor die bittere Entscheidung zwischen staatlicher Handlungsfähigkeit und dem Leben der Entführten gestellt hat. Im Gedenken an die Opfer dieses brutalen Deutschen Herbstes 1977 unterstützt der Bund die Rekonstruktion und Ausstellung der „Landshut“ in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext, um gerade auch jungen Menschen eine Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus zu ermöglichen.“

Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sind:

Prof. Dr. Johannes Hürter vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ). Er leitet dort u.a. das Forschungsprojekt "Demokratischer Staat und terroristische Herausforderung. Die Anti-Terrorismus-Politik der 1970er und 1980er Jahre in Westeuropa."

Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger ist Ausstellungs- und Sammlungsleiterin sowie stellvertretende Direktorin im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Im Jahr 2013 war sie dort Projektleiterin der Ausstellung „RAF. Terror im Südwesten“.

Dr. Butz Peters ist Rechtsanwalt, Journalist und Autor. Mit seinen Büchern zur Rote Armee Fraktion gehört er zu den meistgelesenen Autoren zum Thema linksterroristische Gewalt in Deutschland. Von 1997 bis 2001 moderierte er die TV-Sendung „Aktenzeichen xy … ungelöst“.

Dr. Dietmar Preißler ist Sammlungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Neben der Verfassungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland zählt die Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus zu den inhaltlichen Schwerpunkten seiner wissenschaftlichen Tätigkeit.

Dr. Martin Rupps ist Politologe, Journalist und Autor. Nach seiner Promotion über Helmut Schmidt schrieb er mehrere Bücher über das Wirken des Altkanzlers. Seit vielen Jahren befasst er sich mit der Geschichte des „Deutschen Herbst“ und insbesondere der „Landshut“-Entführung.

Prof. Dr. Petra Terhoeven lehrt europäische Kultur- und Zeitgeschichte an der Universität Göttingen. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist Politische Gewalt und Terrorismus im 20. Jahrhundert. Zum „Deutschen Herbst“ und zur RAF hat sie aktuelle Forschungen publiziert.

Dr. Robert Kluge ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Ausstellung „Moderne Luftfahrt“ in der Abteilung Luft- und Raumfahrt im Deutschen Museum in München. Er hat über vielfältige Themen der Luft- und Raumfahrt publiziert und ist ausgebildeter Pilot.

„Ich bin stolz, dass wir mit diesen Beiratsmitgliedern herausragende Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten für die Begleitung der Ausarbeitung des Ausstellungskonzepts und der inhaltlichen und gestalterischen Umsetzung der „Landshut“-Ausstellung gewinnen konnten. Zugleich freue ich mich, dass damit ein erster wichtiger Meilenstein des Projekts erreicht wird, das damit weiter Fahrt aufnimmt“, erklärt David Dornier, Direktor des Dornier Museums.

Der wissenschaftliche Beirat wird sich in den nächsten Wochen zu einer konstituierenden Sitzung treffen und seine Arbeit aufnehmen. Die Erarbeitung und gestalterische Umsetzung der neuen Ausstellung einschließlich der Restaurierung der „Landshut“ wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bevor sie - möglichst bald - neben dem Dornier Museum Friedrichshafen eröffnet wird.

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Am 13. Oktober 1977 wurde die Lufthansa Boeing 737-200 „Landshut“ durch vier palästinensische Terroristen entführt und 91 Passagiere und Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen. Nach der Ermordung des Flugkapitäns und mehreren Zwischenstopps landete die Maschine in Mogadischu in Somalia, wo sie am 18. Oktober 1977 von der GSG 9, einer Eliteeinheit des Bundesgrenzschutzes, erstürmt und alle Geiseln befreit wurden.


Das Ereignis war Teil des „Deutschen Herbstes“ und stand in engem Zusammenhang mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in der Bundesrepublik Deutschland durch die Rote Armee Fraktion (RAF). Mit beiden Terrorakten sollte die Freilassung von Mitgliedern der RAF aus deutschen Gefängnissen erpresst werden. Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) erfüllte die Forderungen nicht. Die Geiselbefreiung in Mogadischu gilt als das auslösende Moment für den kollektiven Selbstmord der inhaftierten RAF-Spitze, die wiederum die Ermordung Schleyers zur Folge hatte.