„Ich habe meinen Frieden mit der Landshut gemacht“

Drei Zeitzeugen der Landshut-Entführung berichten über Ihre Erlebnisse in Amtzell beim „Talk im Schloss“

Wenn Diana Müll von den dramatischen Tagen in der 1977 von Terroristen entführten Lufthansa-Maschine Landshut erzählt, dann ist es im Saal ganz still. So auch beim Talk im Schloss Amtzell. Ab und zu schüttelt jemand angesichts der unsäglichen Erlebnisse der damals 19-Jährigen seinen Kopf. Crew und Geiseln wurden von den palästinensischen Entführern fünf Tage lang drangsaliert, geschlagen, gedemütigt, erniedrigt, sadistisch gequält. Nach dem Vortrag hatten einige Zuschauer das Bedürfnis, Diana Müll in den Arm zu nehmen – und taten das auch.

Diana Müll hat – wie sie sagt – mit der Landshut ihren Frieden gemacht. Deshalb unterstützt sie auch das Projekt des Dornier Museums, die schrottreife Maschine zu restaurieren und dauerhaft als technisches Zeitdokument in Friedrichshafen zu präsentieren. Keinen Frieden hat sie jedoch mit den deutschen Gesundheitsbehörden gemacht, die sie nach diesen schrecklichen Tagen allein gelassen haben. Dabei brauchte sie über Jahre Hilfe von Psychiatern und Psychologen, um diese traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. „Es gab nicht die geringste Unterstützung“, erklärte sie dem staunenden Publikum. Im Gegenteil – man sprach ihr sogar ab, dass sie überhaupt seelische Beschädigungen erlitten hat.

Heute helfen ihr unter anderem die gemeinsame Auftritte mit Jürgen Vietor, dem heldenhaften Co-Piloten von damals, und mit Aribert Martin, der als GSG 9–Spezialist zum Team gehörte, das die Geiseln am 18. November 1977 in Mogadischu befreite. Diese drei Zeitzeugen sind mittlerweile Freunde für Leben geworden.

Jürgen Vietor hat die Bedrohungen und Schikanierungen durch die Terroristen schneller bewältigt als Diana Müll. Schon sechs Wochen nach Mogadischu ist er die Landshut, eine Boeing 737, wieder geflogen. Aribert Martin war damals und ist es auch heute noch ein cooler Typ. Die GSG 9 sei bestens vorbereitet an die Befreiungsaktion herangegangen. Angst vor der Gefahr oder Zweifel, dass es schiefgehen könnte, hatten die Spezialisten nicht. Trotzdem seien sie keine Rambos gewesen: „Wenn einer von uns am Einsatztag nicht gut drauf war, dann hat er das gesagt – und ist ausgetauscht worden. Das ist wahre Professionalität.“

Die Gäste des von Heiner Vaut (SWR) moderierten Talks verabschiedeten die drei Landshut-Zeitzeugen mit langem und intensivem Beifall.